60% der Frauen über 50 werden nach dem Verlust/trennung ihres Mannes von Gruppenreisen ausgeschlossen.
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Von Sandra Mayer | Reise Redakteurin
Es ist schockierend – aber wahr.
Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Reiseverbands zahlen Frauen durchschnittlich 340€ pro Jahr allein an Gepäckgebühren. Das sind über 3.400€ in zehn Jahren, für das Privileg ihre eigenen Sachen mitzunehmen.
Aber das ist nicht das Schockierendste.
Das Schockierendste ist was mit Frauen über 50 passiert wenn sie alleine reisen wollen.
Eine Umfrage unter 2.400 deutschen Reisenden zeigt:
55% der Frauen über 50 berichten dass sie nach dem Ende einer Partnerschaft oder dem Verlust ihres Mannes von Freundesgruppen bei Reisen ausgeschlossen wurden – mit der Begründung sie könnten „das Gepäck nicht alleine bewältigen."
47% gaben an dass sie sich beim Reisen auf ihren Partner verlassen hatten und nach dessen Tod oder einer Trennung nicht wussten wie sie alleine reisen sollten.
62% sagten sie hätten Reisen abgesagt oder verkürzt weil sie niemanden hatten der ihnen mit dem Gepäck hilft.
Ich bin Reiseredakteurin. Ich habe in zwölf Jahren über hunderte Reisethemen berichtet. Aber als ich diese Zahlen sah, musste ich nachforschen.
Was ich herausfand hat mich überrascht. Es gibt eine wachsende Gruppe von Frauen in Deutschland die dieses Problem bereits gelöst haben. Frauen über 50 die alleine reisen – ohne Hilfe, ohne Koffer, ohne Gepäckgebühren. Die durch Flughäfen gehen als wären sie Flugbegleiterinnen.
Ich wollte wissen wie.
Also reiste ich nach Santorini.
Santorini, Griechenland. Ein Dienstag im Oktober.
Ich saß in einem Café in Imerovigli mit Blick auf die Caldera als ich sie zum ersten Mal sah.
Eine Frau. Anfang fünfzig. Alleine. Eine einzige elegante Tasche auf dem Stuhl neben ihr.
Ich fragte ob ich mich dazusetzen dürfte.
Ihr Name war Jenni. Sie kam aus München. Sie war seit acht Tagen alleine in Griechenland. Zwei Inseln. Eine Woche Kleidung für jeden Anlass.
Eine Tasche.
„Mein Mann ist vor neun Monaten gestorben", sagte sie. „Meine Freundinnen haben mich von unserem Jahrestrip ausgeladen. Sie sagten ich könnte das Gepäck nicht alleine bewältigen."
Sie schaute auf die Tasche neben ihr.
„Also habe ich bewiesen dass sie falsch liegen."
Ich fragte sie wie.
Was Jenni mir erzählte hat meine Sichtweise auf das Reisen komplett verändert.
„Die meisten Frauen in meiner Situation haben dasselbe Problem", sagte sie. „Wir haben jahrelang mit einem Partner gereist. Er hat gebucht, gepackt, die Koffer getragen. Dann ist er weg – und wir stehen vor dem leeren Koffer und wissen nicht wo wir anfangen sollen."
„Was ich nicht wusste", sagte Jenni, „ist dass das Problem nicht wir sind. Das Problem ist der Koffer."
Sie erklärte mir was ihre Schwester – seit achtundzwanzig Jahren Flugbegleiterin – ihr gezeigt hatte.
Hartschalenkoffer verschwenden bis zu 30% ihres Innenvolumens durch die Schale selbst, den Rahmen, die internen Trennwände. Kleider knittern weil alles zusammengepresst wird. Und das Gewicht eines leeren Koffers frisst bereits einen Großteil des Gepäcklimits.
„Flugbegleiterinnen haben dieses Problem seit Jahrzehnten gelöst", sagte sie. „Sie fliegen 200 Tage im Jahr. Sie können es sich nicht leisten mit schweren Koffern zu kämpfen."
Sie öffnete die Tasche neben ihr.
Innen war ein Hängefach wo ihre Abendkleider flach lagen – nicht gefaltet, nicht zerknittert. Ein Kompressionsbereich für alles andere. Seitentaschen für Schuhe.
„Acht Tage Griechenland", sagte sie. „Drei Kleider für Abendessen. Wanderkleidung. Badezeug. Schuhe. Alles."
Ich schaute auf diese eine Tasche.
„Wie heißt sie?"
Ich recherchierte weiter.
Die SaraBag wurde entwickelt von einer Frau die selbst jahrelang als Flugbegleiterin geflogen war. Sie beobachtete wie Passagiere jedes Jahr Milliarden an Gepäckgebühren zahlten, Koffer verloren, an Gepäckbändern warteten – während die Besatzung mit einer einzigen Tasche durch die Flughäfen glitt.
Sie fragte sich warum niemand diese Tasche für normale Reisende entwickelt hatte.
Also entwickelte sie sie selbst.
Das Ergebnis ist eine Tasche die in jedes Overhead-Fach passt – bei Ryanair, Lufthansa, EasyJet und über 100 weiteren Airlines – und trotzdem mehr fasst als die meisten aufgegebenen Koffer.
Das eingebaute Hängefach hält Kleider flach und faltenfrei. Das Kompressionssystem verdoppelt das Packvolumen. Die Tasche wiegt leer nur 970 Gramm.
Und sie kostet einmalig 120€.
Zum Vergleich: Die durchschnittliche deutsche Frau zahlt 340€ pro Jahr an Gepäckgebühren. Die SaraBag amortisiert sich nach weniger als vier Monaten.
Zurück in Santorini fragte ich Jenni nach dem Moment wo sie durch den Flughafen Frankfurt gegangen war. Eine Tasche auf der Schulter. Ohne einzuchecken. Ohne zu warten.
„Eine Frau neben mir kniete auf dem Boden und verteilte Sachen zwischen zwei Koffern weil einer zu schwer war", sagte sie. „Sie war in meinem Alter. Ihr Mann schaute auf sein Handy."
Sie trank einen Schluck Wein.
„Ich bin einfach weitergegangen."
Ich fragte sie was sie ihren Freundinnen sagen würde – denjenigen die sie ausgeladen hatten.
Sie dachte kurz nach.
„Nichts. Lisa hat mich bereits angerufen und gefragt wo ich die Tasche her habe."
„Und?"
„Ich habe ihr gesagt sie ist ausverkauft."
Ich sprach in den folgenden Wochen mit weiteren Frauen die die SaraBag benutzen.
Eine 58-jährige Geschäftsreisende aus Hamburg: „Ich fliege jede Woche. Seit ich die SaraBag habe zahle ich keine Gepäckgebühren mehr. Das sind über 2.000€ im Jahr die ich spare."
Eine 63-jährige Rentnerin aus Stuttgart: „Meine Kinder haben mir sie geschenkt. Ich war skeptisch. Jetzt nehme ich sie auf jede Kreuzfahrt mit. Meine Abendkleider kommen an als kämen sie frisch vom Bügeln."
Eine 51-jährige aus Wien: „Ich bin nach meiner Scheidung zum ersten Mal alleine gereist. Ich hatte Angst das Gepäck nicht bewältigen zu können. Die SaraBag hat mir gezeigt dass ich nie Hilfe gebraucht hatte."
Was diese Frauen gemeinsam haben ist nicht die Tasche.
Es ist die Erkenntnis die mit der Tasche kommt.
Dass jahrzehntelange Abhängigkeit vom Partner beim Reisen kein Zeichen von Schwäche war. Sondern ein Zeichen dass niemand ihnen das richtige Werkzeug gegeben hatte.
Laut dem Deutschen Reiseverband reisen Frauen über 50 häufiger alleine als jede andere Altersgruppe – aber 71% geben an dass sie sich beim ersten Alleinflug unsicher fühlten.
Das muss nicht so sein.
„Die Tasche hat meinen Mann nicht zurückgebracht", sagte Jenni bevor wir uns verabschiedeten. „Aber sie hat bewiesen dass ich die ganze Zeit eine vollständige Person war."